Es  sieht nach Anstrengung aus, ist es und ist es doch nicht. Maria Rampelt gibt Tipps.Einen Wiedereinstieg in eine Tradition wagten nach fünf Jahren Unterbrechung die Frauenreferentinnen aus Hessen Ursula Tobias und Ortrun Maurer: Sie luden ein zu einem „Frauentag“ und am 17. April trafen sich 21 Sächsinnen aus dem Rhein-Main-Gebiet in dem Gemeindehaus der St. Katharinen Kirche in Frankfurt am Main. Dass das möglich war, verdanken wir Ursula Tobias, die lange Jahre im Kirchenvorstand war, aber auch dem guten Ruf der sächsischen Frankfurterinnen; alljährlich zaubern sie für den Weihnachtsbasar dieser Innenstadtgemeinde eine prächtige Kuchentheke.

Maria Rampelt, die eine Ausbildung zur systemischen Beraterin gemacht hat, führte nach dem Begrüßungskaffee durch eine erheiternde Kennenlern-Runde; das trug dazu bei, dass sich die anfängliche Scheu sofort in Vertrautheit auflöste.

Die Vorstellungen, was mit dem angesagte Motto: „Weiblich-siebenbürgisch-hessisch“ an diesem wunderschönen Frühlingstag auf uns zukam, waren sehr unterschiedlich, aber wohl keine von uns hatte damit gerechnet, dass die behutsame Art, wie Maria Rampelt uns an das Thema „Siebenbürgische Wurzeln im Frausein heute“  heranführen sollte, so unkonventionell wie effektiv war.

Frauentagung in HessenAus einem großen Pool von Fotos - Blüten, Bäume, Wege, Mauerwerk - wählte sich jede Teilnehmerin („aus dem Bauch heraus“, was eine weibliche Tugend sein soll) eines aus. Es gab Zeit, über dem ausgewählten Bild zu sinnieren, in kleinen Grüppchen darüber zu sprechen, warum man gerade dieses Bild ausgewählt hatte, und so ergaben sich in diesen Gesprächen von selbst Antworten zu Fragen, was jede von uns bewegt, was einem wichtig ist – und letztendlich haben diese Antworten etwas zu tun mit unseren Wurzeln, mit unserem „Woher?“ aber auch „Wohin?“ Zum Abschluss gab es eine große Runde um einen symbolischen Baum und als Fazit brachte jede von uns in einem Satz zu „ihrem“ Bild und zu sich selbst eine kurze Zusammenfassung dessen, was einen in den vorherigen Minuten bewegt hatte.
Das alles war hochinteressant, hatte eben nichts mit Folklore zu tun, aber auch nichts mit „esoterischem Kram“, wir begaben uns nicht auf nostalgische Gefilde, wie es etliche leise befürchteten, und doch kam all das zur Sprache, was unser spezielles Dasein ausmacht.

Das deftige Mittagessen - Bratwurst und Sauerkraut – schmeckte nach Kindheit, die Namen von sächsischen Wurstlieferanten schwirrten über den Tisch.

In den nächsten drei Stunden erkundeten wir die Frankfurter Innenstadt professionell geführt von Frau Annette Neupert. Diese erweckte berühmte Frankfurterinnen an historischen Plätzen zum Leben, erzählte über deren wechselhafte Schicksale. Und so hieß auch die Führung: „Nicht nur Kinder, Küche und Kirche; Frauenleben in Frankfurt“.

Das erste „Frangforder Meedsche“, dem wir begegneten, war allerdings eine Statue: Die Justitia auf dem Römerplatz, Ausgangspunkt des Rundgangs. Inmitten des Trubels der Eröffnung der „Woche für das Leben“ mit scheppernd lauter Musikband und zwei katholischen Bischöfen, mehreren Hochzeitsgesellschaften und Besuchergruppen, Unmengen von meist chinesischen Touristen verstanden wir unser eigenes Wort nicht mehr und so flüchteten wir in die Stille des Frankfurter Doms. Hier gibt es das älteste Zeugnis von Leben in dieser Stadt, das Grab eines reichen merowingischen Mädchens aus dem 7. Jahrhundert. Im Dom erfuhren wir von den ersten emanzipierten Frauen des 19. Jahrhunderts, aber auch Rosa Luxemburg war oft in Frankfurt und als sie ermordet und ihr Tod bekannt wurde, läuteten alle Glocken der Stadt.

In der Paulskirche gab es einen Einblick in die Geschichte des ersten frei gewählten Parlaments in Deutschland. Das Wahlrecht für die Frauen war kein Thema damals, wurde aber von den Frauen eingefordert, zusätzlich zum Recht auf Bildung und freie Berufswahl. Die Frauen schafften es nach heftigen Protesten, 200 Plätze auf den Besucherrängen zu erhalten, von wo aus sie die Redner lautstark ermutigten oder ausbuhten, und da die Monarchisten rechts ihre Stammplätze hatten, die Opposition der Liberalen links, die aufrührerischen Weibsbilder auch letzteren Weltumstürzlern zugewiesen wurden, entstand zum ersten Mal die politische Konnotation von „rechts“ und „links“.

Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, Architektinnen, Frauenrechtlerinnen zogen an unserem inneren Auge vorbei, Goethes Mutter und Schwester genauso wie die Malerin Sibylla Merian, die rabiate Revoluzzerin Frau Zobel (ihre Mordwaffe, ein Regenschirm, ist noch zu besichtigen) oder Margarete Schütte-Lihotzky, die Erfinderin der ersten Einbauküche Europas.

Ein gemeinsames Kaffeestündchen im Gemeindehaus bot die Gelegenheit, den Tag Revue passieren zu lassen, zu reflektieren und Vorschläge zu sammeln für ein nächstes Treffen. Denn wir waren uns einig: Eine neue Frauentagung muss her! Also, liebe Organisatorinnen, wir danken für Eure Bemühungen, es war hessisch gesagt: Ei, rischtisch toll!                                                                                 (Christa Heinrich)