Schon bei der Begrüßung ging das Rätselraten los: Es gab Sekt, aber drin schwamm ein zartes hellgrünes Zweiglein mit filigranen Blättchen. Es schmeckte. Nur wonach?

Die Leiterinnen des Frauenreferats in Hessen Ursula Tobias und Ortrun Maurer hatten zur Kulturtagung der Siebenbürger Sächsinnen am 10. September nach Rüsselsheim eingeladen, praktischerweise in die „Albrecht-Dürer-Schule“, wo letztere als Lehrerin tätig ist. So war Raum genug und es ging im wahrsten Sinne rund zum Thema „Kräuter“, das so allbekannt schien und doch vielen neue Erkenntnisse bescherte. Erst hörten wir beim Teetrinken Geschichtliches von Ortrun Maurer zu Persönlichkeiten der Kräuterkunde, dann galt es als praktische Aufgabe Pflanzen Beschnuppern, Erkennen und Benennen und die Auflösung brachte so erstaunliche Namen zutage wie „Ananassalbei“, „Cola-Kraut“, „Currystrauch“, „Süßkraut“ oder „Prickelknöpfe“.
Karin Scheiner referierte über die Jahrhunderte alte Kunst, Kräuter zu verarbeiten.

Ein unterhaltsamer Höhepunkt des Treffens war das gemeinsame Zubereiten von einem Mittagessen mit Verwendung von möglichst vielen Kräutern. Mehrere Frauen hatten sich im Vorfeld der Tagung bereit erklärt, ihre speziellen Rezepte mit den nötigen Zutaten mitzubringen. In Gruppen aufgeteilt, wurde gerührt, gezupft, gehackt, geköchelt und gebrutzelt, abgeschmeckt und dekoriert, und das Ergebnis sah sehr bunt, sehr gesund und irgendwie mediterran aus und schmeckte vorzüglich: Brotaufstriche aus Feta, Kichererbsen und Avocado, mit essbaren Blumen verziert, ein griechischer Salat mit Kräutern und Oliven, eine Frühlingskräutersuppe nach Art der sächsischen Salatsuppe, veredelt mit Lammfond und Bärlauch, Rukola, Kerbel und Sauerampfer.

Die Krönung war natürlich – wie konnte es anders sein - die berühmte Frankfurter „Grüne Soße“ mit Pellkartoffeln,  mit den sieben Kräutern Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch, alles original aus Oberrad, wo es auch ein Museum für die „Grie Soß“ gibt. Wieder gab es für uns was Neues und war doch altbekannt: Krambambuli, ein Wacholderlikör, wurde probiert, den unsere studentischen Großväter schon während der Kaiserzeit in Lied und Kneipe hochleben ließen: „Die Toren, die abstinent leben, weil sie nicht lieben, werden bedauert und im Himmel Esel, nicht Engel sein, denn sie saufen Wasser wie das liebe Vieh, und meinen es sei Krambambuli“ – so erinnerte sich eine Teilnehmerin der Tagung an die Worte ihres Vaters.

Nach einem Spaziergang gab es Holundersaft gegen den Durst, Kaffee, Karottenkuchen  sowie Schweizer glutenfreie Rüeblitorte als Nachtisch, und einen kurzen aufschlussreichen österreichischen Film über Anbau, Pflege, Besonderheiten und Verwendung von Küchenkräutern. Als praktische Anwendung des Gehörten und Gesehenen konnte jede Teilnehmerin sich nach eigenem Geschmack eine Teemischung und ein Duftbeutelchen zusammenstellen. Zum Andenken erhielt jede eine Mappe mit allen Kräutern und Rezepten.

Mhmmm... was könnte das sein? Es war ein dichtes Programm, das aber genügend Raum ließ für private Gespräche, für den Austausch von Tipps und Tricks; das „& Co.“ aus der Einladung kam nicht zu kurz und dafür gebührt allen Beteiligten ein dickes Lob für ein in jeder Hinsicht heiteres und gelungenes Treffen. Und ein großes Dankeschön geht an den Landesverband Hessen, der unsere Treffen unterstützt.

Übrigens - das gefiederte Kräutlein im Begrüßungssekt war Olivenkraut.
(Fotos und Text: Christa Heinrich)

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