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Die Verbindung der Siebenbürger Sachsen mit heute hessischen Landschaften, insbesondere aber Bildungseinrichtungen, beginnt nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie reicht Jahrhunderte zurück, während derer siebenbürgische Ärzte, Apotheker, Ingenieure, Pfarrer, Gymnasiallehrer etc. in Deutschland studierten. Studienorte wie Gießen und Marburg waren genauso beliebt wie Leipzig und Tübingen. Hier holte sich unsere geistige Elite ihr wissenschaftliches Rüstzeug genau so, wie es auch unzählige Handwerksburschen während ihrer Wanderjahre taten. Deutschland war unser Mutterland, Ungarn (später Rumänien) unser Vaterland. Während dieses fruchtbaren Ausbildungsflusses dürften sich ständig auch Siebenbürger Sachsen in Hessen aufgehalten haben.


Sprunghaft vermehrte sich ihre Anzahl beim Ausgang des Zweiten Weltkrieges, als im Krieg Dienstverpflichtete, vor allem aber Tausende Soldaten, denen Rumänien den Übertritt in die Deutsche Wehrmacht sowie in die SS-Divisionen durch Staatsvertrag erlaubt hatte, beim Zusammenbruch in Deutschland landeten. Einige Jahre später gesellten sich in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit Deportierte und nach Deutschland Entlassene hinzu.

Für die Nachkriegswirren kennzeichnend bleibt die erste „große“ Versammlung von Rumäniendeutschen 1946 in Gersfeld/Rhön hervorzuheben. Deren Teilnehmer wollten erfahren, wie es in Deutschland weiter gehe, aber auch wie sich die politische Lage in Rumänien entwickelte, hatten doch fast alle Familienangehörige dort zurückgelassen.


Gründung des „Hilfskomitees“

Von Seiten der Alliierten waren Vereine verboten, weshalb die Evangelische Kirche Deutschlands 1945 ihr „Hilfswerk“ ins Leben rief, dem sich die Siebenbürger Sachsen und ev. Banater Schwaben anschlossen und am 6. 01. 1947 in München ihr eigenes „Hilfskomitee...“  gründeten. Bar aller Eigenmittel, war sein Wirken nur mit Hilfe der EKD möglich, und dennoch segensreich: Hilfe bei Beschaffung von Bezugsgutscheinen, von Wohnraum, Hausrat etc.. Vom „Hilfskomitee“ organisiert, fand im Herbst 1947 in Marburg ein „großes Treffen“ statt, zu dem erstmalig ausschließlich Siebenbürger Sachsen erschienen.
Inzwischen hatten sich Untergliederungen des Hilfskomitees gegründet, und am 1.1.1950 übernahm Dipl.-Ing. Siegfried Möckesch die Leitung des Hilfskomitees in Hessen.

Gründung des „Landesverbandes Hessen“

Von Seiten der Alliierten waren Vereine verboten, weshalb die Evangelische Kirche Deutschlands 1945 ihr „Hilfswerk“ ins Leben rief, dem sich die Siebenbürger Sachsen und ev. Banater Schwaben anschlossen und am 6. 01. 1947 in München ihr eigenes „Hilfskomitee...“  gründeten. Bar aller Eigenmittel, war sein Wirken nur mit Hilfe der EKD möglich, und dennoch segensreich. Später wurden Untergliederungen des Hilfskomitees gegründet. Am 1.1.1950 übernahm Dipl.-Ing. Siegfried Möckesch die Leitung des Hilfskomitees in Hessen.
Auch der „Landesverband Hessen“ ging unmittelbar aus dem „Hilfskomitee“ hervor. Am 12. 11. 1950 trat der „Verband der Siebenbürger Sachsen“ in Frankfurt zum erstenmal anlässlich der 800-Jahrfeier seit der Auswanderung und Begründung des ältesten deutschen Siedlungsgebietes in Südosteuropa (Siebenbürgen) an die Öffentlichkeit. Nach dem Echo jener Tage zu urteilen, muss diese „imposant“ gewesen sein.
Am 26. November 1950 fand dann die Gründungsversammlung des „Verbandes der Siebenbürger Sachsen“ in Frankfurt-Bockenheim statt. Diese Neugründung schloss sich dem „Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.“ mit Sitz in München an. Als Untergliederung des Verbandes wurde der Zusatz „Landesgruppe Hessen“ beschlossen. Neben Bayern und Baden-Württemberg war dies die dritte Gründung eines Landesverbandes. Als der Bundesverband sich in „Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.“ umbenannte, übernahmen auch die Hessen diesen Namen.


Politisches Wirken der Landesgruppe Hessen

Vordringlichstes Ziel war es, die Akzeptanz der Siebenbürger Sachsen im deutschen Volke zu erhöhen, insbesondere den demokratischen Parteien sowie der Öffentlichkeit die hohe Bereitschaft zur Integration und zum Aufbau des neuen Staates zu vermitteln. Durch fleißige Arbeit und hohes Engagement ist dies hervorragend gelungen. Die Siebenbürger Sachsen haben überzeugend gezeigt, dass sie diesen Staat bejahen und sich ihm zugehörig fühlen.

Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen

Vom Anfang ihres Bestehens an hat der Verband, später die Landsmannschaft auf enge Kooperation mit dem Bund der Vertriebenen gesetzt und durch dessen Solidarität viele ihrer Ziele verwirklicht. Auch in Hessen reicht die Zusammenarbeit weit zurück. Auf Anregung des BdV wurde 1995 auf dem Gelände des Darmstädter Waldfriedhofs ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer von Flucht, Deportation und Vertreibung infolge des Zweiten Weltkrieges errichtet. Dort erinnert das Wappen unserer Heimat an die siebenbürgischen Opfer.

Betreuung der Spätaussiedler

Als weitere Siebenbürger Sachsen zwecks Familienzusammenführung in die Bundesrepublik Deutschland zuzogen, galt es, die Ankommenden über die neuesten gesetzlichen Bestimmungen, über ihre Rechte und Pflichten etc. aufzuklären und ihnen im neuen Umfeld beratend und helfend zur Seite zu stehen. Deshalb hielt die Bundesleitung Seminare und Tagungen ab, in denen die Zuständigen der Landesgruppen über die jeweils geltenden rechtlichen Bestimmungen für die Aufnahme von Rumäniendeutschen aufgeklärt und geschult wurden. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung waren die von der Landesgruppe Hessen eingerichteten „Empfangsdienste“ am Flughafen Rhein-Main sowie am Frankfurter Hauptbahnhof. Eine telefonische Nachrichtenkette über Wien, Nürnberg bis Frankfurt kündete die Ankunft der Aussiedler an.
Als die Aussiedlerwelle Mitte der 70er Jahre anschwoll und vor allem über den Flughafen Rhein-Main ablief, nahm der Landesvorstand den „Empfangs- und Betreuungsdienst“ kritisch unter die Lupe und schloss entstandene Lücken.
Das Landesvorstandsprotokoll vermerkt: 1978 waren bis zum Jahresende 7.000 Personen als Aussiedler registriert; Ende 1982 bereits 60.000 Deutsche aus Rumänien ausgesiedelt. Parallel dazu erhöhte sich auch der Beratungsbedarf durch die Landesgeschäftsstelle erheblich, ging aber später deutlich zurück.


Pflege der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft

Von Beginn an war die Organisation bemüht, das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu pflegen und zu stärken. Dazu dienten insbesondere gesellige Zusammenkünfte wie Holzfleisch- (Grillfleischessen) und Baumstriezelessen, später meist Waldfeste genannt, meist mit Blasmusik und Tanzgruppen, wobei die Trachten eine besondere Augenweide darstellten. Auch der traditionelle Katharinenball war mit Aktivitäten von Kulturgruppen gekoppelt, durch Chorauftritte zusätzlich bereichert. Bei diesen Gelegenheiten veranstaltete das Frauenreferat häufig Verkaufsbasare mit schönen Basteleien, deren Erlöse ausnahmslos für soziale Zwecke Verwendung fanden.

Kulturgruppen der Landesgruppe Hessen

Aus der Jugendgruppe ging nicht nur eine Tanzgruppe hervor, sondern auch ein Chor. Dessen erster Dirigent war der siebenbürgisch-sächsische Lehrer Wilhelm Kootz, der in Offenbach unterrichtete. Er behielt die Leistung viele Jahre. Dank seines Wirkens haben uns Chor und Tanzgruppe bei den verschiedensten Anlässen sehr erfolgreich vertreten und ein positives Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit geprägt. Aus deren frühen Aktivitäten ragt, auch bildlich gut dokumentiert, das Hoherodskopf-Treffen von 1957 heraus, zu dem die Deutsche Partei eingeladen hatte. Die Auftritte erfolgten von vor ca. 21.000 Vertriebenen.
Als die Hessische Landesregierung unter dem Ministerpräsidenten Georg August Zinn durch den ersten „Hessentag“ 1961 allen Bürgern des Landes — neuen wie alteingesessenen — Gelegenheit gab, sich in Eigenart, Brauchtum, Tradition, Tracht etc. darzustellen, sich dadurch besser kennen und verstehen zu lernen, damit aus der frühen not- und elendsbedingten Trennung zwischen den Menschen der Nachkriegsjahre ein gedeihliches hessisches Miteinander werde, waren auch unsere Sachsen mit Chor und Tanzgruppe dabei. Seither ist die Landesgruppe, mit geringen Unterbrechungen, bei den Hessentagen grundsätzlich vertreten.


Internationaler Kulturaustausch

Als erste internationale Begegnung zählt bis heute die Teilnahme an der Tausendjahrfeier Luxemburgs von 1963. Dort traten Chor und Tanzgruppe der Landesgruppe auf und beteiligten sich in ihrer Tracht am Festumzug, was damals außergewöhnliches Aufsehen erregte. Das bezeugt, dass sich unsere Landsleute früh im „europäischen Raum“ bewegten, sich diesem öffneten und innerlich begannen, sich Europa zu erschließen. Nach Osten wandte sich der Blick durch die gegenseitigen Besuche Kümmelquartett Neu-Isenburg — Schässburger Kammerchor, die nach vielen vergeblichen Anläufen des damaligen Landesvorsitzenden Johann Riemer zustand kamen, zu jener Zeit ein kleines Wunder. Dabei bestanden die Schwierigkeiten darin, eine Reisegenehmigung für die Schässburger Partner ins westliche Ausland zu erreichen. Dennoch gelang es, den Austausch mehrfach zu wiederholen. 1970, 1975, 1978 und 1985 trat der Neu-Isenburger Kümmelchor in Schäßburg und dessen Umgebung auf, während die Gegenbesuche des Schässburger Kammerchores 1973, 1976 und 1982 erfolgten.
Im Rahmen einer Besuchsreise des Instrumental- und Volkstanzensembles aus Youngstown/USA veranstaltete die Landesgruppe Hessen am 11.7.78 unter der Schirmherrschaft des Hessischen Kultusministers Hans Krollmann in der Hugenottenhalle Neu-Isenburg einen großen Kulturabend, zu dem auch eine Abordnung amerikanischer Bürger vom Militärflughafen Rhein-Main erschien.
Krollmann würdigte die Bemühungen der Siebenbürger Sachsen um Integration in die hiesige Gesellschaft, unterstrich aber gleichzeitig auch ihre Pflicht, den Kontakt zu den in Siebenbürgen Verblieben aufrecht zu erhalten. Als Auszeichnung für langjähriges Wirken auf sozialem und kulturellem Gebiet verlieh der Minister im Auftrage des Hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner Pfarrer Michael Kenst und Konrektor i.R. Wilhelm Kootz den Ehrenbrief des Landes Hessen, den diese „stellvertretend für viele andere siebenbürgische Landsleute“ annahmen. Neben dem amerikanischen Ensemble waren auch der Neu-Isenburger Kümmelchor sowie die Tanzgruppe Neu-Isenburg (Buchenbusch) am großartigen Programm beteiligt. Unter dem Jubiläumsmotto „300 Jahre seit der Einwanderung der Deutschen in die USA“ besuchte der „Concordia-Chorus“ aus Youngstown 1983 Deutschland, wobei er auch in Neu-Isenburg ein Konzert gab. Vielfach wurden neue Kontakte geknüpften und Freundschaften durch USA-Besuche vertieft, und beim zweiten Besuch desselben Chores freute man sich schon auf gute Bekannte und Freunde.

Hessische Kulturgruppen besuchen Kanada und die USA


Im Rahmen des Kulturaustausches zwischen den Verbänden der Föderation der Siebenbürger Sachsen stattete eine von der Bundesleitung der Landsmannschaft ausgewählte Kulturgruppe den Verbänden in Kanada und in den USA einen Besuch ab. Diese setzte sich aus Laienkünstlern verschiedener Kreisgruppen zusammen. Herz der Truppe waren die Vereinigten Siebenbürgischen Blaskapellen aus Hessen (Rüsselsheim und Pfungstadt) unter ihrem Dirigenten Simon Müller.

Daneben wurde — z.T. aus den Ehefrauen der Musiker — eine Gruppe zur Brauchtumsdarstellung gebildet, die dem Publikum aus Übersee siebenbürgische Trachten und Kopfbedeckungen vom Kinde bis zum Greise vermittelte. Verantwortlich hierfür zeichnete Frau Katharina Müller. Um den beteiligten Personenkreis ein weiteres Mal einsetzen zu können, bildete man aus den Musikern und der Brauchtumsgruppe eine neue Tanzgruppe, mit der Hans Hell Volkstänze einübte. Die ganze Truppe unter der Gesamtleitung von Wilhelm Beer (Vors.), Dr. Roswitha Guist (Präsentation), Julius Baak und Ursula Tobias in schöner siebenbürgisch-sächsischer Tracht präsentiert, konnte nur erfolgreich sein. Gut vorbereitet, fuhr die Gruppe bei allen Auftritten Riesenerfolge ein und hinterließ einen äußerst positiven Eindruck. Wenn diese Boten siebenbürgisch-sächsischer Kultur jeweils am Schluss ihrer Vorstellungen gemeinsam mit dem Publikum das Siebenbürgenlied anstimmten, war das vielfach aus Siebenbürgen stammende Publikum nicht nur begeistert, sondern auch gerührt. In Kanada trat die Gruppe in Kitchener, Aylmer und Windsor auf, in den Vereinigten Staaten in Cleveland, Youngstown und Elwoodcity.

Auf weitere internationale Begegnungen kann besonders die Jugendtanzgruppe Neu-Isenburg zurückblicken, deren Auftritte im Ausland ebenfalls beachtlich waren:

  • in Brünn /Tschechien, gemeinsam mit der Jugendtanzgruppe Offenbach,
  • in Vöklabruck [Österreich]
  • in Wels [Österreich] und
  • in Szekszard / Ungarn.

Im Laufe der Jahre hat die Siebenbürgische Tanzgruppe aus Neu-Isenburg zahlreiche Auftritte bestritten. Nennen möchten wir z.B.

  • Auftritte in Gravenbruch,
  • beim Sommerfest in Neu-Isenburg,
  • bei der Eröffnungsfeier des neuen Schwimmbades in Neu-Isenburg,
  • bei den Waldfesten der Landesgruppe in Neu-Isenburg

sowie gemeinsame Auftritte mit den siebenbürgischen Blaskapellen aus Hessen

an den Hessentagen in

  • Lauterbach [1983],
  • Lampertheim [1984],
  • Fulda [1990],
  • Groß-Gerau [1994] und
  • Gelnhausen [1995].    Internationale Auftritte z.B.
  • in Brünn /Tschechien, gemeinsam mit der Jugendtanzgruppe Offenbach,
  • in Vöklabruck [Österreich],
  • in Wels [Österreich] und
  • in Szekszard / Ungarn.“