Siebenbürgisch-sächsische Trachten im Hessischen Landtag


Am Freitag, dem 12.11.2010 fand im Musiksaal des Wiesbadener Schlosses, in dem der Hessische Landtag beheimatet ist, der Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Hessen statt.
In den beeindruckenden  Festsaal hatte Herr Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags, geladen, der auch die Schirmherrschaft für die 60-Jahre Feiern übernommen hatte.
Die Begrüßung der 160 Gäste nahm Ingwelde Juchum-Klamer, die Vorsitzende der Landesgruppe Hessen im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., vor, indem sie auch allen dankte, die am Zustandekommen der Jubiläumsfeier und am Erstellen der Festschrift beteiligt waren.
Michael Boddenberg, Hessischer Minister für Bundesangelegenheiten, legte in seinem Grußwort den Schwerpunkt auf das Problem der Integration, indem er verdeutlichte, dass Toleranz das Ausüben der eigenen Identität bedeute, ohne dabei die Identität anderer infrage zu stellen. Und das lebten die Siebenbürger Sachsen in Hessen vor, denn wer zu ihnen als Fremder komme, gehe als Freund.


Siebenbürgisch-sächsische Trachten im Hessischen Landtag

Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Dr. Bernd Fabritius, hob hervor, dass zum ersten Mal die Jubiläumsfeier eines Landesverbandes im Parlament des betreffenden Bundeslandes stattfinde, und stellte fest, dass fast der gesamte Bundesvorstand zu diesem Ereignis erschienen sei. Er führte aus, wie wichtig es für die in die Bundesrepublik eingereisten Landsleute war, in der anfänglichen Fremde eine „emotionale Heimat“ zu schaffen. Und dieser Schritt sei in Hessen gelungen. Fabritius wünschte den Landsleuten, dass das siebenbürgisch-sächsische Füreinander-Dasein noch über viele Generationen weiter wirken werde.
Norbert Kartmann, der als Schirmherr die Festrede hielt, freute sich, in seinem Hause siebenbürgisch-sächsische Trachten erleben zu können. Der Landtagspräsident mit siebenbürgischen Wurzeln referierte in einer sehr persönlichen Rede über die ersten Siebenbürger Sachsen in Hessen und über die Bedeutung des Verbandes im europäischen Zusammenhang. Durch Beispiele aus dem Werdegang seiner eigenen Familie und durch persönliche Erinnerungen (Siebenbürgen sei in seinem Elternhaus täglich aktuell gewesen – so Kartmann) wirkte der Festredner besonders authentisch. Zudem bekannte sich Kartmann zu der Aufgabe, die dem Verband zukomme: So wie die Siebenbürger in der Bundesrepublik eine Brücke nach Siebenbürgen gebaut hatten, so gehöre es heute zur Aufgabe der hier lebenden Landsleute, diese Brücke auf ganz Rumänien auszudehnen, um ein Land, dessen Situation zurzeit nicht sonderlich stabil sei, zu unterstützen, ihm zu helfen, Demokratie zu leben. Sein Appell richtet sich an alle: Es sei aller Aufgabe, sich um die Heimat zu kümmern, „mindestens solange die Gräber noch rufen“, denn der Mensch lebe aus seinen Wurzeln.
Der Historiker Dr. Gerald Volkmer verdeutlichte in seinem Vortrag über die Geschichte des Verbandes in Hessen, wie wichtig Traditionspflege und Gemeinsinn für das erfolgreiche Bestehen siebenbürgisch-sächsischen Lebens sei. Dabei begnügte Volkmer sich nicht mit der Aufzählung von Fakten, sondern veranschaulichte seinen sehr gründlich dokumentierten Vortrag mit Aussagen von Zeitzeugen.


Der offizielle Teil der Veranstaltung, die musikalisch von einem Quartett unter der Leitung von Hans-Dieter Wagner (Pfungstadt) begleitet wurde, schloss mit einem ergreifenden Moment, als alle anwesenden Gäste das „Siebenbürgenlied“ und das Deutschlandlied anstimmten.
Im kleinen Saal des Landgrafenschlosses konnten anschließend alle Beteiligten die Ausstellung „Schulen der Siebenbürger Sachsen“ besichtigen und im Foyer des Musiksaals wurde die gelungene Umsetzung der Verbindung siebenbürgischen und hessischen Lebens auf kulinarischer Ebene vorgelebt: Fleißige Siebenbürgerinnen hatten das vom Hessischen Landtag vorbereitete Büffet mit siebenbürgischen Spezialitäten bereichert - Hanklich, Striezel und Salzgebäck – außerdem wurde, wie das in Siebenbürgen üblich ist, Schnaps und Wein gereicht.
Mit solch geselligem Beisammensein endete der Festakt im Hessischen Landtag.